POSTER DESIGN

50,3% Schweiz

‚50,3% Schweiz‘

This Poster shows the result of the swiss immigration referendum.

„Switzerland has made a statement with the immigration referendum
– I just made a poster.“

Graphic Design Festival Breda

The poster is one of the winning designs of the Reflect – Poster Project for the Graphic Design Festival Breda 2014.

All winning posters were driven around the city of Breda by bicycle and exhibited during the festival.

Awarded

Winner Graphic Design Festival 2014
100 Beste Plakate 2014
Nominee German Design Award 2017

„Du kommst hier nicht rein!

Hier kommt niemand rein, wirklich niemand. Auch keine Menschen, denen der Krieg alles genommen hat. Männer und Frauen, die einfach nur irgendwo in Frieden leben wollen. Das wäre ja noch schöner. Und damit das auch der Letzte kapiert, prangt er unmissverständlich auf rotem Grund: ein dicker weißer Balken. Auf ein signalfarbenes Plakat gedruckt, wird er nur noch von einer kleinen Zahl garniert: 50, 3 Prozent.

Genau so viele Schweizer Bürger haben im Februar 2014 entschieden, dass sich nicht mehr jeder in ihrem Land niederlassen kann. Auf Initiative der national-konservativen Schweizer Volkspartei, genauer gesagt der Volksinitiative „Gegen Masseneinwanderung“, hatte eine knappe Mehrheit die Regierung dazu gezwungen, ein entsprechendes Gesetz für eine Begrenzung der Zuwanderung auf den Weg zu bringen – gegen die mit der Europäischen Union vereinbarte Personenfreizügigkeit. Noch bis zum kommenden Jahr bleibt den Politikern in Zürich Zeit, das Ergebnis des Volksentscheides umzusetzen.

Zwar haben sich die Schweizer lange vor der Flüchtlingswelle dazu entschlossen, die Regeln für Einwanderer zu verschärfen, aber gerade in diesen Tagen trifft diese umstrittene Entscheidung doch vor allem Menschen aus von Kriegen gebeutelten Staaten. Ein Umstand, der das Durchgang-verboten-Plakat „50,3 % Schweiz“ des Müncheners Désha Nujsongsinn aktueller denn je macht. Zu sehen ist die Arbeit in der internationalen Wanderausstellung „100 beste Plakate 14. Deutschland Österreich Schweiz“, die nun im Wilhelm-Wagenfeld-Haus in Bremen Station macht. Im Nordwesten ein äußerst seltenes Gastspiel.

Der Schau vorangegangen ist ein Wettbewerb, der im Jahr 1966 das erste Mal veranstaltet wurde. Mittlerweile nehmen auch die Schweiz und Österreich an dem Wettstreit teil, für die Ausgabe 2014 sind mehr als 1 800 Bewerbungen eingangen. Aus diesem Topf schafften es schließlich 44 Plakate aus Deutschland, 51 aus der Schweiz und 5 aus Österreich in die Ausstellung. Eine Mischung, die eine breite stilistische Palette des zeitgenössischen Plakat-Designs zeigt, die weit über den politischen Aspekt hinausgeht. Trotzdem lässt sich auch in der Welt der Werbung die aktuelle Wirklichkeit nun mal nicht ignorieren, wie sich auch in der Arbeit von Nujsongsinn zeigt.

Ohne von einer Agentur oder Institution beauftragt worden zu sein, nutzt er sein Plakat, um deutliche Kritik an der Entscheidung unserer Nachbarn zu üben. Dass der Künstler seine Kernaussage dabei aus der schweizer Flagge gewinnt, deren Kreuz er um seine senkrechten Teile erleichtert, macht den Irrweg der Eidgenossen umso deutlicher. Denn ein Land, das niemanden mehr hineinlässt, mutiert unwiderruflich zur Einbahnstraße – und manövriert sich dadurch in die Isolation.“

Auszug Artikel „Du kommst hier nicht rein!“ verfasst von Mareike Bannasch erschienen am 03.05.16 in der Mediengruppe Kreiszeitung.